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Viele Seiten, wenig Kontrolle: Was in Frachtrechnungen unbemerkt bleibt

Frachtrechnungen können viele Seiten haben. Ob jede Position mit Auftrag und Kondition übereinstimmt, prüft trotzdem kaum jemand vollständig. Ein typischer Fall zeigt, warum eine kleine Bestandsanalyse sinnvoller sein kann als das nächste große KI-Projekt.

Eine Frachtrechnung betrifft einen einzigen Tag und umfasst mehrere Dutzend Seiten. In Monaten mit hohem Versandaufkommen kommen laufend solche Rechnungen herein. Vollständig durchsehen kann sie realistisch niemand.

Nehmen wir einen mittelständischen Betrieb mit einem gewöhnlichen Rechnungsworkflow. Die Belege werden kontiert, freigegeben und gebucht. Bei normalen Sachkosten funktioniert das. Frachtrechnungen sind schwieriger. Die Logistik schaut sie an, prüft, ob das Gesamtbild plausibel wirkt, und gibt sie weiter.

Bis ins letzte Detail wird dabei selten geprüft. Das fällt lange nicht auf. Erst wenn die Frachtkosten am Jahresende ungewöhnlich stark gestiegen sind, zieht jemand Stichproben. Dann zeigt sich mitunter, dass eine falsche Kondition angewandt oder ein Zuschlag berechnet wurde, der in den vorliegenden Vereinbarungen nicht zu finden ist.

Das ist zunächst kein KI-Problem. Es ist eine einfache kaufmännische Frage: Zahlen wir das, was wir vereinbart haben?

Prüfung nach Gefühl

Eine Frachtrechnung kann formal in Ordnung sein. Lieferant, Rechnungsnummer, Datum, Betrag und Kostenstelle sind vorhanden. Die Buchhaltung kann sie verarbeiten. Ob für eine bestimmte Sendung die richtige Gewichtsstaffel, der gültige Tarif und der vereinbarte Dieselzuschlag verwendet wurden, ist damit noch nicht beantwortet.

Dazu müsste man die Rechnung mit allen Positionen, die zum Versandzeitpunkt gültigen Konditionen und den Frachtauftrag zusammenbringen. Häufig liegen diese Informationen an drei verschiedenen Orten: die Rechnung im Rechnungsworkflow, die Konditionen in PDF- oder Excel-Dateien, die Sendung im Versandsystem.

Ein Sachbearbeiter kann die Quellen zusammensuchen. Bei jeder Position und jeder Rechnung wird daraus aber eine Arbeit, die im Alltag nur stichprobenartig stattfindet. Der Frächter kennt seine Abrechnung im Detail. Der Verlader kennt oft nur die Summe, die am Ende auf einer Kostenstelle landet.

Erst schauen, dann bauen

Die naheliegende Reaktion lautet heute: Dann bauen wir eben einen KI-Agenten. Copilot Studio und ähnliche Werkzeuge sind verfügbar, die eigenen Entwickler kennen die Systeme, ein erster Prototyp wäre rasch erstellt.

Ich würde trotzdem nicht damit beginnen.

Wer Schnittstellen baut, Regeln abbildet und einen weiteren produktiven Prozess betreibt, sollte vorher wissen, ob das Problem groß genug ist. Vielleicht stimmen die Rechnungen im Wesentlichen. Vielleicht genügen einige wenige Prüfregeln. Vielleicht liegt in den Abweichungen aber auch so viel Geld, dass eine laufende Kontrolle wirtschaftlich naheliegt.

Alle drei Ergebnisse sind möglich. Eine vernünftige Analyse muss sie zulassen.

Ich würde deshalb kleiner anfangen: ein Frächter, ein klarer Zeitraum (z. B. das letzte Jahr), die vorhandenen Konditionen und, wenn möglich, die zugehörigen Sendungsdaten. Keine ERP-Integration, kein neuer Freigabeprozess. Zunächst nur die Frage, was in den bereits bezahlten Rechnungen steckt.

In einem typischen Fall decken zwei oder drei Frächter einen großen Teil des Volumens ab. Mit einem davon und einem Jahr an Rechnungen lässt sich beginnen. Die Unterlagen können aus den bestehenden Systemen exportiert werden. Logistik und IT wissen, wie die Konditionen gemeint sind und welche Daten das Versandsystem hergibt.

Das ist intern leichter zu erklären als die Einführung einer neuen Plattform. Und es liefert früher eine Antwort.

Nicht jeder Treffer ist ein Fehler

Eine Bestandsanalyse darf nicht bei einem Dashboard enden. Jede Auffälligkeit braucht einen Beleg: die Rechnung, die betroffene Position, die Vergleichsgrundlage und den Betrag der Abweichung.

Suchen lässt sich etwa nach Zuschlägen, die in den vorliegenden Konditionen nicht vorgesehen sind, nach falschen Tarifen oder Gewichtsstaffeln, nach doppelten Positionen und nach Rechnungen ohne eindeutigen Bezug zu einem Frachtauftrag. Auch Unterschiede bei Währung, Mengeneinheit oder Gültigkeitszeitraum fallen auf, sobald die Informationen in einer gemeinsamen Struktur vorliegen.

Nicht alles, was dabei markiert wird, ist automatisch falsch. Ein Zuschlag kann in einer Nebenvereinbarung stehen, die im ersten Datenpaket fehlt. Eine Sendungsnummer kann im Versandsystem anders geschrieben sein. Eine Rechnung kann mehrere Aufträge zusammenfassen, ohne die Zuordnung sauber auszuweisen.

Der sinnvolle Ablauf lautet daher nicht: Die KI findet einen Fehler und die Rechnung wird gekürzt. Das System legt die Abweichung samt Fundstelle und Vergleich offen. Der Kunde entscheidet, ob und wie er sie klärt.

Die Positionen machen die Arbeit

Eine Frachtrechnung auszulesen klingt nach klassischer Dokumentenerkennung. In der Praxis liegen die zusammengehörenden Angaben oft weit auseinander. Eine Sendung wird auf einer Seite genannt, die Kosten folgen später. Zuschläge beziehen sich auf mehrere Positionen. Jeder Frächter verwendet andere Begriffe und Gruppierungen.

Ob diese Zuordnung zuverlässig genug gelingt, muss an einem abgegrenzten Bestand gemessen werden. Eine technische Trefferquote allein reicht dafür nicht. Entscheidend ist, ob Position, Auftrag und Kondition richtig zusammengeführt werden und eine Abweichung bis zur Fundstelle nachvollziehbar bleibt. Selbst eine gute technische Kennzahl beantwortet noch nicht, ob der konkrete Fall wirtschaftlich genug ist.

Kleine Analyse, klare Entscheidung

Am Ende sollten nicht möglichst viele Folien stehen, sondern eine Entscheidung.

Sind die Abweichungen selten und klein, kann der bestehende Prozess bleiben. Vielleicht genügt eine einfache Vorprüfung. Tauchen bestimmte Zuschläge oder Tariffehler wiederholt auf, lässt sich genau dafür eine laufende Kontrolle einrichten. Zeigt sich ein breites und regelmäßig wiederkehrendes Problem, kann die Prüfung später bis zur Freigabe und Verbuchung in den Rechnungsprozess eingebaut werden.

Ich mag diesen Einstieg, weil er beiden Seiten eine große Behauptung erspart. Der Kunde muss nicht an eine mögliche Einsparung glauben. Wir müssen keine Plattform verkaufen, bevor wir die Daten gesehen haben. Wir schauen nach.

Die Verarbeitung kann auf unserer Infrastruktur in Österreich, in einem Rechenzentrum in der Schweiz oder in der Umgebung des Unternehmens erfolgen. Für Frachtrechnungen ist das meist nicht der Grund, eine Analyse zu beginnen. Es ist aber eine Rahmenbedingung, die besser am Anfang geklärt wird.

Danach wissen beide Seiten mehr. Vielleicht ist das Problem klein. Vielleicht ist es groß. Beides wäre eine brauchbare Antwort.

Wer dieselbe Frage hat, kann ebenfalls mit einem Frächter und einem abgegrenzten Zeitraum beginnen. Hier lässt sich eine Bestandsanalyse besprechen.

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